Reisebericht Milano

Von meinen ehemaligen Workshop-Teilnehmerinnen bekam ich auch in diesem Jahr die Anfrage, ob ich sie bei einem Einkaufstreifzug durch Mailand begleiten und beim Kauf Ihrer Kleidung unterstützen würde. Dies liess ich mir natürlich nicht entgehen und packte meinen Rucksack für einen kurzen Städtetrip nach Mailand. Das Wort Rucksack ist selbstverständlich figurativ zu verstehen. Eine Reise nach Mailand trete ich nicht mit Rucksack, sondern mit einer kleinen Tasche im Boxformat, spitzen Pumps und Sonnenbrille an.

Nach 3 ½ stündiger Anreise, noch bevor wir mit unserer Einkaufstour beginnen, nehmen wir uns Zeit für einen typischen italienischen Kaffee, welchen wir in einer typischen italienische Bar einnehmen. Nichts ist schöner als der erste Kaffee am Morgen. Keiner schmeckt besser, keiner durftet intensiver und nirgendwo lassen sich das Flair und die Kultur Italiens besser einatmen als in einer der typischen Kaffeebars. Wir beobachten wie der Barista in seinem morgendlichen Treiben die Bestellungen der Gäste entgegennimmt. Es reicht der Zuruf „un Cafè, un Cappuccio… per favore.” Und dann hört man das klingen der Kaffeetassen, das Schlagen des Kaffekolben… dort einige Worte, hier einen Witz, ein Gruss, ein Blick, ein Lächeln.

Nach der Kaffeeverstärkung, geht es weiter Richtung Via Spiga. Meine Begleiterinnen, welche das ersten Mal in Mailand durch diese Via gehen, sind überrascht. Eine kleine Strasse mit eleganten Länden und exklusiven Boutiquen, die trotz der Exklusivität weder protzig noch dekadent erscheinen, sondern charmant. Hier sind die Einkaufspaläste von Cavalli, Dolce & Cabanna, Prada, Lange, Bulgari, Bluemarine etc. Es ist klar, hier werfen wir nur einen Blick in die Schaufenster, lassen uns durch die Atmosphäre inspirieren, beschwingen und ziehen, auch wenn wir die italienische Mode und die Namen ihrer Designer sehr lieben, weiter.

Wir folgen der Via Monte Napoleone und kurze Zeit später stehen wir vor der Galerie Vittorio Emanuele II. Der prunkvolle Bau des 19. Jahrhundert gilt als ältestes Einkaufszentrum der Welt und hat somit auch historisch von grosser Bedeutung. Der Bau verkörpert prachtvolle Architektur mit Fresken, Unmengen an Marmor, prächtige Mosaiken und feine Stuckarbeiten. In den Passagen finden wir die Geschäfte von Borsalino, Luisa Spagnoli, Prada etc. Nebst den Modegeschäften finden sich hier aber auch alte Buchhandlungen, sowie Restaurants, Cafés und Bars, die zum Verweilen und zum Geniessen einladen.

Nach einer Erfrischung in der Galerie laufen wir ins Viertel Quadrilatero d’oro (goldene Shopping-Dreieck). Hier findet man eine Vielzahl von Designerläden wie z.B. Armani, Versace, Ferreto, Fende Chanel, Gucci, aber auch Schnäppchen. Wenn man so wie ich eine Schwäche für italienische Schuhe hat, ist das Shopping-Dreieck ein Paradies. Nach einigen kleineren Einkäufen (zwei Sonnenbrillen, einen Gurt, ein paar Pumps und ein Sommerkleid), nehmen wir im Restaurant Rugantino ein leckeres Mittagessen ein. Auf dem Weg dorthin bummeln wir über die Einkaufsallee - Via Torino. Hier findet man Mango, H&M, Zara etc. und es gibt eine erfrischende Mischung aus Marken wie Triumph, Lee, Adidas, Quicksilver, Calzedonia, Intimissimi etc. Beim Besuch der zwei zuletzt genannten Geschäfte muss ich meine Begleiterinnen sanft darauf hinweisen, dass gerade hier sparen zu wollen ein Irrtum ist, denn gut gekleidet zu sein beginnt bei der Wäsche.

Die Einkaufsmöglichkeiten sind gewaltig und gross die Verlockungen, welche die Einkaufspaläste und -alleen uns verschaffen. Dem Anschein nach, ist die Wirkung der Herrschaft der Modeindustrie so intensiv, dass meine Begleiterinnen dann und wann vergessen, was wir zuvor zusammen in den Workshops erarbeitet haben. Saft muss ich meine Begleiterinnen wieder daran erinnern, dass nicht jedes teure Kleidungsstück mit einem namenhaften Label uns zwangsläufig auch gut steht und auch das Trendfarben für uns nicht immer passend sein müssen. Hier sind ein gutes Auge für die Qualität sowie der Sinn für das Passende gut.

Auch wenn wir in Mailand sind und die Herrschaft der Modeindustrie stark präsent ist, fordere ich meine Begleiterinnen immer wieder auf, sich bewusst für ein gutes Kleidungsstück zu entscheiden und nicht für eines, bloss weil es gerade in Mode oder weil es ein Schnäppchen mit Label ist.

Im Laufe des Nachmittags beenden wir die Einkaufstour und laufen über die Porta Ticinese ins Navigli Viertel. Die in früheren Zeiten für den Handel und Verkehr benutzten Wasserwege der Navigli sind ein beachtliches Werk hydraulischer Ingenieurskunst, an denen auch Da Vinci mitgestaltet hat. In vergangenen Zeiten lebten hier Handwerker und Arbeiter, heute beleben Künstlerateliers, Geschäfte, Cafés, Restaurants und Jazzlokalen das Ufer. Ein echtes kulturelles Erbe für die Stadt.

Nach einem Spaziergang entlang den Kanälen und nach noch etlichen weiteren Geschäften geniessen wir die Abendsonne am Ufer des Naviglio Grande. In dieser Umgebung und mit einem Glas Wein, können meine Begleiterinnen die Eindrücke verarbeiten, welche sie während des Tages gewonnen haben. Letztendlich reiften bei meinen Begleiterinnen die Erkenntnis, dass Mode, Kultur und überraschenderweise auch Kunst eng verbunden sind und es eigentlich egal ist, ob es sich dabei um Autos, Brillen, Schuhen oder Taschen handelt. Denn italienische Produkte zeichnen sich oft durch eine einfache pure elegante Astthetik aus, die deutliche Spuren von Lebensmut aufweisen. Allerdings erfordert die Basis eines guten Kleidungsstil, welchen man den Frauen in Mailand seit langem schon attestiert, einen Sinn für Angemessenheit was zur Figur, zur Situation etc. passt und ein geübtes Auge für Qualität.

Meine Begleiterinnen sind sich einig, dass grundsätzlich der Stil eine Ausdruckform der Persönlichkeit ist und über die äussere Erscheinung hinausgeht. Eine Ausdruckform der Persönlichkeit, welche stehst eng in Verbindung mit der eigenen Haltung reift: modisch, körperlich sowie menschlich.

Nun, Eindrücke wiedergeben ist schwierig, und der Bericht kann nur einen eng begrenzten Teil der Eindrücke wiedergeben, welche eine solche Stadt hinterlässt. Ich hoffe aber, dass mein Geschriebenes euch für eine Reise in der südliche Modemetropole inspiriert, denn nichts geht über das eigene Erleben.

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